Medizin ist Liebe, Klinikerinnerungen



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Zeit zum Denken

Manchmal funktioniert das auch. Ich bin für ein paar Tage nach Berlin gefahren. Mein Kopf ist noch nicht klar geworden, obwohl ich mir das voller Elan vorgenommen hatte. Statt dessen habe ich ihn mit neuem Wissen über somatoforme Störungen, Schizophrenien und affektive Psychosen gefüllt. Nachdem gute 200 Seiten zu diesen Themen den Weg zu meinem neuronalen Netz gefunden haben, herrscht dort nun mehr Unruhe (Arbeitsunruhe) dennje. Die Klassifikationen sind nicht so meine Freunde, sonst gibt es kein schöneres Thema im Moment für mich, fachlich jedenfalls. Mag seltsam erscheinen, aber ich finde es entspannend. V.a. Fallbeispiele könnte ich lesen wie andere Menschen die B**dzeitung. Noch gut über eine Woche bleibt mir zur Vorbereitung. Manchmal denke ich auch, vielleicht ist es besser, weniger zu wissen, erstens um nicht wie ich jetzt im Vorhinein selektieren zu müssen und sich den Kopf zu zerbrechen, weil man halt einfach gar nichts lernt und das Problem damit beseitigt. Andererseits um nicht unbewusst in altkluge Bemerkungen zu verfallen, auch wenn sie treffen. Na ja, ich denke nicht weiter darüber nach, nicht jetzt. Es interessiert mich auch gar nicht so sehr, wie ich dann nun in der entscheidenden Situation wirken werde. Ich vermute, das ist ohnehin sehr von Tageskonstitution, Glück und den Fragen abhängig. Ich lese weiter, Lesen ist gut. Vor einer Woche hing ich noch nach der Klinik rum und war zu müde, die Seiten umzublättern. Nach 20 Seiten bin ich meistens eingeschlafen. Wie gut, dass ich den Urlaub genommen habe. Noch eine schöne Woche. Ich werd sie achtsam verbringen. Das meine ich ernst. Ich werde jeden Moment zu schätzen wissen und den ganzen Tag lang nur tun und lassen, was ich will. Der Freiheit immer mal wieder die Hand schütteln, damit sie sich noch erinnert, wenn es soweit ist.

Und Berlin...

Ja, hier bin ich jetzt. Die Stadt, in der ich gern studieren will. Wein, Freunde, wieder Wein, Musik, ausschlafen. Kein Medizinstudentenleben, also habe ich diese Phase vorverlegt. Leben ausreichend kosten und dann lernen statt feiern, wenn ich muss. Ich freu mich drauf. Studieren heißt, alle körperlichen Belastungen hinter sich lassen, die mich seit 3 Jahren langweilen. Und das meine ich keinesfalls abwertend, ich finde meine Arbeit nur einfach nicht spannend und ihre Grenzen sind die, die mich täglich stören, in Träume über bessere Zeiten verstrickt.
Hier ist die Zeit gerade stehen geblieben. Der Himmel ist grau, manchmal etwas Sonne. Auf jeden Fall persistiert das Gefühl des Zuhauseseins. Des "hier will ich leben"s. Ich mag in keine andere Stadt ziehen, mich verbiegen und mir einreden, es könnte mir überall gefallen, wenn ich die Möglichkeit habe, hier zu sein. Alles ist einfacher in Berlin. Meinem Empfinden nach muss man für nichts einen weiten Weg zurücklegen. Immer sind Menschen um mich herum, die ich ansehen kann. Häuser, Fremdes, Vieles, Großes, was ich betrachte und was mich entspannt. Wenig Störendes, die Menschen, die Berlin nicht mögen, nicht verstehend.

15.11.07 17:18
 


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