Medizin ist Liebe, Klinikerinnerungen



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Die ZVS

Nächste Woche ist es wieder soweit. Der langersehnte und gefürchtete Bescheid von der ZVS schneit ins Haus. Oder auch nicht. Wenn er am Mittwoch nämlich nicht eintrifft, kann ich gleich sicher sein, dass es sich um eine Ablehnung handelt.

Diese perverse Art, mit der Hoffnung unbescholtener Bürger umzugehen, finde ich schon ein bisschen zu abartig für eine Einrichtung wie die ZVS. Kriegst du den Brief nicht, denkst du dir, ach vielleicht kommt er ja später. Am zweiten Tag bist du völlig zerknirscht, und wenn du nach Hause kommst, dann erkennst du an der Dicke des Umschlags schon, dass es keine Zusage sein kann und bleibst damit Minuten regungslos auf der Treppe sitzen. Oder auch nicht, weil du die Enttäuschung schon gewöhnt bist und deine Hoffnung ohnehin gegen Null konvergiert.

Ich für meinen Teil habe die ersten Male noch geweint. Vor Freunden oder allein in meinem Zimmer, enttäuscht vom System oder einfach nur wütend, weil ich es nicht geschafft hatte, ein verdammtes Zehntel besser zu sein im Abitur. Das ist die Strafe: 4 Jahre deines Lebens, wegen eines einzigen hirnverbrannten Zehntels. Danke, ich bin Deutschland. Deutschland ohne Studienplätze bei stetigem Ärztemangel. Aber hey, Deutschland, ICH mach deine Notdienste nicht, wenn ich Feierabend habe. Ich stehe nicht nach 14 Stunden noch im OP. Ich kenn deine Tricks schon.

Nun ja. Es ist ja auch egal. Auch ich bin im Prinzip kein richtiger Kämpfertyp der an einem der Systeme, die zu diesem Missstand geführt haben, etwas ändern könnte. Auch ich bin eigentlich nur in persönlichen Ärger verstrickt und nicht wirklich daran interessiert, was mit den Anderen passiert. Ich habe meine 4 Jahre abgesessen und hoffe, dass es nun klappt. Ich habe es verdient, ich hätte ja mehr lernen können. Ich hätte ja eine 15 statt einer 13 in meiner Hauptfachklausur schreiben und der Biologielehrerin wie alle Anderen tief in den Darm kriechen können, wie alle, die später eine eins bekamen, weil sie ihr Wissen nie mündlich unter Beweis stellen mussten, wie ich, wo das ja meine Strafe war - statt meine Meinung zu sagen. Ich persönlich äußere mich lieber direkt und unverschämt, v.a. wenn mir ein Mensch en direct so wenig zu sagen hat. Ich wusste ja vorher nicht, dass es kein Recht gibt, dass ihre perfiden Methoden verbieten könnte. Pech für mich :-)

Und jetz, Jahre später. Ich hänge hier und warte. Ich bin dumm geworden, immer dümmer mit jeder niederen Arbeit, die auf mich wartet und die ich dann brav mache, ein bisschen mehr. Ich fühle mich wie Tomas in der Unerträglichen Leichtigkeit des Seins.

Bitte, Gott ohne Windeln, lass es bald vorbei sein! Ich ertrage das kein weiteres halbes Jahr.

10.8.08 09:16
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


M. (10.8.08 10:01)
Sprichst mir aus der Seele, kann das, was du schreibst, nur unterstreichen.

Wünsche dir noch alles Gute und viel Erfolg!

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